Fünf Dinge, die mir in Schweden (Götaland) niemand vorher gesagt hat
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Fünf Dinge, die mir in Schweden (Götaland) niemand vorher gesagt hat
Ich bin gerade aus Schweden zurückgekommen, genauer gesagt aus Götaland im südlichen Teil. Und ich muss sagen: Das Land ist nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Nicht wegen der Landschaft oder der Häuser – die sind genau wie in den Bildern. Sondern weil die Menschen dort nach Regeln funktionieren, über die einfach niemand spricht.
Das Jantegesetz steckt überall
Das erste, was mich am meisten überraschte, ist das Jantegesetz. Das ist nicht einfach eine “schwedische Mentalität”, sondern etwas, das wirklich überall wirkt. Das Prinzip bedeutet im Kern: “Du bist nicht besser als die anderen.” Nur war das ursprünglich gar keine Regel, die Schweden anstreben wollten. Es stammt aus dem Roman “Ein Flüchtling kreuzt seine Spur” (1933) von Aksel Sandemose, der eine dänische Kleinstadt namens Jante beschreibt – und zwar kritisch, als Kritik am kleingeistigen Denken. Irgendwie hat sich das Konzept trotzdem in den schwedischen Alltag eingebrannt.
Praktisch bedeutet das: Wenn du deine Meinung zu deutlich vertrittst oder betont, wie gut du in etwas bist, wirkst du nicht nur unhöflich, sondern bringst deine Gesprächspartner in echtes Unbehagen. Diskussionen ziehen sich hin, bis alle zu einer gemeinsamen Ansicht kommen. Ich verstand, wie ernst das gemeint ist, als eine schwedische Kollegin ihre bestandene Prüfung quasi nebenbei erwähnte – fast entschuldigend.
Schuhetikette ist nicht verhandelbar
Das zweite, was mich überrumpelt hat, ist die Schuhetikette. Das alte schwedische Sprichwort besagt: “Nur Bären und Räuber behalten beim Betreten eines Hauses die Schuhe an.” Das gilt wirklich überall. Nicht nur in Privatwohnungen, sondern auch in Kindergärten, Schulen, beim Zahnarzt oder in Besucherzentren. Dein erstes Ziel beim Eintreten ist immer die Schuhe auszuziehen.
In manchen öffentlichen Einrichtungen gibt es Kunststoffüberzieher, genannt “skoskydd”, die man überstreifen kann. Aber wenn du privat eingeladen wirst – pack dicke Socken ein. Die Häuser sind oft kühl, und die Fußböden noch kühler. Das hat mir wirklich niemand gesagt, und ich bin mit dünnen Baumwollsocken angekommen. Danach nicht mehr.
Die Kräftskiva: Ein Ritual mit striktem Ablauf
Das dritte überraschte mich beim Essen: die Kräftskiva, das Krebsfest. Das ist nicht einfach ein Abendessen. Das ist ein Ritual mit striktem Zeitplan. Jeden August treffen sich Schweden zum Krebsfest. Die Flusskrebse werden in gewürzter Brühe gekocht, meistens mit Kronendill – nach der Blüte geernteter Dill, den du im August in riesigen Bündeln in jedem Supermarkt siehst.
Das Ritual läuft nach festem Schema ab: Krebsschere, fröhliches Lied, Schnaps. Schere, Lied, Schnaps. Wiederholen. Stunden lang. Das Merkwürdige: Bis 1944 war Krebsfang von November bis August illegal. Das Gesetz wurde abgeschafft, aber das Fest findet trotzdem weiterhin im August statt. Tradition schlägt Logik.
Pünktlichkeit ist heilig
Das vierte Ding betrifft die Pünktlichkeit. Ich dachte, das sei übertrieben. Es ist nicht übertrieben. Wirst du um 19:00 Uhr eingeladen, kommst du um 19:00 Uhr. Nicht 18:55, nicht 19:05. Die akademische Viertelstunde ist völlig unbekannt. Ich habe gesehen, wie jemand mit dem Auto eine Straße weiter wartete, um auf die Minute genau anzukommen. Das war kein Zufall, das ist normal.
Götaland hat eine eigene kulinarische Identität
Das fünfte überraschte mich beim Thema Essen: Götaland hat eine eigene kulinarische Identität. Das war nicht das IKEA-Schweden, das ich erwartet hatte. Die Region hat kalkhaltige Böden und mehr Sonne. Hier wachsen grüner und weißer Spargel, Trüffel, Kajp – dieser intensive Schlangenlauch – und Bärlauch. Es gibt ein Projekt namens “Västsvensk Mersmak”, das auf regionale Qualität und traditionelle Kochtechniken setzt. Die Leute dort reden nicht viel davon, aber es wird gelebt.
Fazit: Diese Regeln lassen einen nicht los
Ehrlich gesagt bin ich skeptisch, ob ich diese Regeln so schnell wieder vergesse. Das Jantegesetz lässt einen nicht los, wenn man erst verstanden hat, dass es überall wirkt. Die Schuhe bleiben aus, die Pünktlichkeit wird heilig. Und beim nächsten August werde ich wahrscheinlich Kronendill kaufen.
Quellen
- https://www.schwedenhappen.ch/jantelagen-alle-sind-gleich/
- https://www.berlitz.com/de-de/blog/reiseknigge-schweden
- https://www.goteborg.com/de/guiden/schwedische-traditionen-und-feiertage
- https://www.elchburger.de/schweden/events/krebsfest-schweden
- https://www.volvocars-news.ch/scandic-life/diese-5-verhaltensregeln-schaetzen-die-schwedinnen-und-schweden-besonders/
- https://schwedenstube.de/geo/schweden/goetaland/
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