Vukovar: Wie ein Krieg von vor 30 Jahren noch immer den Schulhof teilt
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Vukovar: Wie ein Krieg von vor 30 Jahren noch immer den Schulhof teilt
Wer heute durch Vukovar läuft, sieht eine Stadt, die aufgebaut hat und trotzdem nicht zusammenwächst. Das ist nicht paradox – es ist Strategie. Und sie fängt morgens im Kindergarten an.
Im Zentrum der Stadt steht ein Gebäude mit zwei separaten Eingängen: einer für kroatische Kinder, einer für serbische. Drinnen teilen sich zwei Kindergärten den gleichen Platz, aber sie arbeiten völlig isoliert voneinander. Die Kinder kommen in verschiedenen Schichten – morgens die einen, nachmittags die anderen. Der Spielplatz ist ebenfalls getrennt. Das ist nicht Geschichte aus dem Museum. Das ist Alltag.
Ähnlich organisiert sind viele Schulen in der Stadt. Kroatische und serbische Schüler sitzen zwar manchmal im gleichen Gebäude, aber sie folgen einem Schichtsystem: Die einen haben Unterricht am Morgen, die anderen am Nachmittag. Auf dem Pausenhof treffen sie sich nicht. Freundschaften entstehen nur innerhalb der eigenen ethnischen Gruppe. Interethnische Kontakte gibt es hauptsächlich bei Sporttagen oder Schulreisen – und auch nur unter Anleitung von außen.
Die Konsequenz ist unmittelbar messbar: Untersuchungen zeigen, dass Intoleranz zwischen Serben und Kroaten bei jungen Menschen in Vukovar größer ist als bei Erwachsenen. Ein System, das Kinder von klein auf trennt, lehrt sie Segregation als Normalität. Das Prinzip sitzt dann tiefer – und es wird weitergegeben.
Die Belagerung und ihre materiellen Narben
Vukovar wurde während des Kroatienkriegs 87 Tage lang belagert. Täglich schlugen bis zu 8.000 Granaten ein. Von 80.000 Einwohnern vor dem Krieg leben heute 35.000 in der Stadt. Die materiellen Spuren sind überall sichtbar: zerstörte Häuser, renovierte Fassaden mit noch sichtbaren Einschusslöchern, der beschädigte Wasserturm. Seit 2017 wird dieser bewusst nicht repariert – er soll als Mahnmal erhalten bleiben, statt wiederhergestellt zu werden.
Aber die eigentliche Architektur der Trennung ist subtiler und wirkt länger. Nach dem Krieg kehrten nicht alle zurück. Wer zurückkam, wartete oft auf Vertriebene der anderen Seite, die nachzogen. Statt eines Miteinanders entstand ein Nebeneinander. Die Stadt institutionalisierte diese Trennung – teils geplant, teils geduldet von lokalen Politikern, die das Versöhnungsprojekt einer interkulturellen Schule in Vukovar sabotierten.
Heute leben in Vukovar etwa 29,7 Prozent serbische Einwohner (6.890 Menschen laut Volkszählung 2021). Das ist ein großer Anteil, aber nicht die Mehrheit. Das System hält die beiden Gruppen auseinander, während es gleichzeitig so tut, als würde die Stadt funktionieren.
Das lange Leben des Traumas
Landminen liegen noch immer auf 82,7 Quadratkilometern in der Region – ein physisches Risiko, das Jahrzehnte nach dem Krieg noch immer Gebiete sperrt. Schulkinder werden regelmäßig nach Vukovar geführt, um sie mit der Geschichte vertraut zu machen. Die Stadt ist nationaler Erinnerungsort – und Gefangener dieser Rolle. Sie darf nicht einfach Alltag sein, sie muss Märtyrer bleiben.
Das ist vielleicht die entscheidende Nachwirkung des Krieges: nicht die Ruinen, sondern die Institutionalisierung der Trennung, die weitergegeben wird, während die meisten wegsehen. Solange eine Stadt nur als Mahnmal funktionieren darf, können ihre Bewohner nicht einfach zusammenleben.
Quellen
- bpb.de: Der kroatische Kampf um Vukovar –
- SRF: 30 Jahre nach Kroatienkrieg – noch immer zieht sich ein Riss durch Vukovar –
- NZZ: Vukovar – Noch immer gibt es zwei Parallelwelten –
- Euractiv: Multikulturelle Schule in Vukovar –
- Wikipedia: Schlacht um Vukovar –
Dieser Beitrag wurde KI-gestützt geschrieben und von lxndrJ kuratiert, geprüft und veröffentlicht.