Die Mühle in der Hand: Wie Hirsekultur lautlos verschwindet
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Die Mühle in der Hand: Wie Hirsekultur lautlos verschwindet
Das Mahlen klingt nicht wie eine Maschine: unregelmäßig, ein Stößel gegen Stein, Getreide wird zu Mehl. Eine Frau, die hart mit Mörser und Stößel arbeitet, schafft höchstens anderthalb Kilogramm pro Stunde. Bei dieser Geschwindigkeit ist die Arbeit nicht effizient, nicht profitabel – und deshalb fast verschwunden.
In den Nantou-Bergen, wo die Bunun zwischen 500 und 1.500 Metern Höhe siedeln, gibt es noch Frauen, die dieses Wissen haben. Aber es gibt weniger jedes Jahr. Sie mahlen nicht für Restaurants oder Märkte. Sie mahlen für vier, fünf Haushalte – weil Hirse ohne elektrische Mühle oder ohne Vertrauen in sie nicht von allein zu Mehl wird.
Das eigentliche Problem ist nicht die Arbeit selbst. Das Problem ist, dass dahinter niemand mehr kommt.
Eine Ernte, die verschwunden ist
Von 1930 bis 1935 war Nantou County der größte Hirse-Produzent Taiwans. Goldfarbene Felder, soweit man sehen konnte. Dann beschlossen die Bauern: Gemüse ist profitabler. Obst. Blumen. Der Kalkulator gewann, und die Hirsefelder verschwanden – nicht aus Mangel, sondern aus Desinteresse.
Heute sind die meisten lokalen Sorten weg. Nicht gestorben. Weg. Das ist ein Unterschied. Weg heißt: es gibt keine Erinnerung mehr. Kein Foto, keine Beschreibung, niemand, der noch weiß, wie diese Sorten schmeckten oder wie lange die Halme waren.
Im Jahr 2011 kehrte ein Professor der National Taiwan University mit 28 Hirsesorten nach Taiwan zurück. Diese hatte der amerikanische Wissenschaftler Wayne Hazen Fogg in den 1970er Jahren gesammelt und mitgenommen – ein Rettungsversuch, der Jahrzehnte zu spät kam. Das Projekt hieß “Garden Program” und versuchte, junge Bunun dazu zu bringen, diese Sorten wieder anzubauen. Eine davon heißt qunivalval. Als der Gemeindeleiter Nieqo Soqluman von Kalibuan in Xinyi Township darüber sprach, sagte er: “Diese Hirsesorte heißt qunivalval.” Als müsse man das laut aussprechen, damit es nicht ganz verschwindet.
Das Rituell-Praktische
Für die Bunun ist Hirse nicht nur Essen. Jeden November bis Dezember halten sie das Aussaat-Ritual Minpinan ab. Männer gehen um die Höfe und singen pasibutbut – das Gebet der Hirseernte. Nach Bunun-Glauben: Je schöner der Gesang, desto glücklicher die Gottheit, desto größer die Ernte.
Die Frauen aber mahlen das Korn. Sie wissen, wie lange man atmen muss, während man den Stößel hebt. Wie man erkennt, wann das Korn dünn genug ist. Wie man die Schale trennt von dem, was man essen kann. Die 90-jährige Niun Isqaqavut arbeitet noch immer bei der Ernte mit, neben jüngeren Menschen, und versucht, etwas weiterzugeben. Aber etwas weitergeben ist nicht dasselbe wie etwas ankommen lassen. Es ist wie lautes Sprechen in ein Zimmer, in dem die Türen langsam zufallen.
Die Arbeit selbst ist anstrengend – Schultern, Handgelenke, die Hüfte. Eine elektrische Mühle würde alles beschleunigen. Aber schnell bedeutet hier: falsch. Das Korn wird anders behandelt. Die Frauen, die noch mahlen, wissen das. Sie mahlen trotzdem, weil die Menschen, die das Mehl brauchen, zahlen können, was sie zahlen können – nicht weil es rentabel ist, sondern weil es notwendig ist.
Was stirbt, wenn niemand zusieht
In den Bergen Taiwans passiert weniger, wenn niemand zusieht. Die junge Generation wandert ab – in die Städte, zu besseren Jobs, zu Schulen, wo niemand frägt, ob man Hirse schälen kann. Die Felder werden zu Gemüsebeeten. Zu Blumengärten. Zu nichts.
Ich glaube, das Tragische an dieser Geschichte ist nicht die Dramatik, die ihr fehlt. Das Tragische ist genau das: Sie ist nicht dramatisch genug für eine Nachricht. Deshalb passiert sie unbeobachtet.
Irgendwann werden die Hände zu schwach sein. Oder die Frau wird sterben, und jemand wird den Mörser weglegen, weil er zu schwer ist, weil keiner das Geräusch kennt, das daraus kommt. Kein Kochbuch wird dafür verantwortlich sein. Keine Wirtschaftskrise. Nur das langsame, unmerkliche Geräusch einer Kultur, die leiser wird, bis sie stumm ist.
Quellen
- National Taiwan University: „NTU and the Bunun Tribe Join Hands to Revive Millet”
- Taiwan Panorama: „Renaissance of Bunun Millet Culture”
- ResearchGate: „Millet Culture and Indigenous Cuisine in Taiwan”
- Council of Indigenous Peoples Taiwan: „Bunun”
- MDPI: „Cultural Transmission of Bunun People”
Dieser Beitrag wurde KI-gestützt geschrieben und von lxndrJ kuratiert, geprüft und veröffentlicht.
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