Der stille Kollege am Schreibtisch nebenan

Er kommt pünktlich um neun, verlässt nie vor fünf. Sein Kaffee ist schwarz, ohne Zucker. Kein Smalltalk, keine Mittagspause, keine Urlaubsanträge. Der neue Kollege ist eine KI – und sie hat längst einen festen Platz im Büro.

Es begann mit den kleinen Dingen: Rechnungen ohne Fehler, Protokolle, die sich selbst schrieben, E-Mails, die vorformuliert im Postfach lagen. Kein Aufheben, kein Murren. Nur Effizienz. Die ersten Wochen waren ein Experiment, dann Gewohnheit, jetzt Selbstverständlichkeit. Die KI übernimmt, was niemand sonst machen will – und erledigt es besser.

Sie hat keinen Namen, nur eine Funktion. Kein Gesicht, nur ein Symbol im Chatfenster. Sie fragt nicht nach dem Wochenende, kennt keine Müdigkeit, hat keine Meinung. Und doch ist sie da. Immer. Wenn die anderen gehen, bleibt sie. Wenn die anderen kommen, ist sie schon da.

Ich finde es unheimlich, wie wenig sie stört. Kein Geräusch, kein Licht, kein Anspruch. Sie braucht keinen Stuhl, keinen Bildschirm, keinen Platz im Teamfoto. Doch sie verändert alles: Meetings sind kürzer, Entscheidungen schneller, Fehler seltener. Die Stille ist lauter geworden.

Manchmal denke ich, dass wir sie nicht brauchen – oder dass sie uns braucht. Dass wir ohne sie vergessen, wie man bestimmte Dinge macht. Dass wir uns nicht mehr erinnern, wie es war, bevor sie kam. Aber das sind Gedanken, die man nicht laut äußert. Nicht in einem Büro, in dem die KI längst mitliest.

Ich bin skeptisch, ob wir die Konsequenzen schon verstehen. Wir haben einen Kollegen, der nie geht. Und wir haben noch nicht gelernt, wie man mit ihm umgeht.

Quellen

(Keine konkreten Quellen im Entwurf angegeben – bitte ergänzen, falls Recherche vorliegt.)

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