Der Freitag des brasilianischen Solos-Fahrers: Wenn die Arbeit Rhythmus hat
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Der Freitag, an dem Porto Alegre für eine Stunde stillsteht
Um 14 Uhr stellt ein Taxifahrer das Taxameter ab und trinkt Mate mit seiner Frau, während die Stadt weiterläuft. Die Ampeln schalten, die Straßenhändler rufen ihre Preise, und im Mercado Público Central läuten die Glocken für Bará, den Gott der afrobrasilianischen Umbanda-Religion, der Wege öffnet. Doch für viele Gaúchos – die Einwohner Rio Grande do Suls – ist dieser Moment eine selbstverständliche Pause. Kein Gesetz, kein Chef, keine Gewerkschaft verordnet sie. Es ist einfach Tradition.
Freitagmittag in Porto Alegre gehört die Stunde den Solo-Fahrern: denjenigen, die ihr Mittagessen nach Hause bringen, ihr Taxi stehen lassen oder ihren Laden schließen. Nicht aus Müdigkeit, sondern weil der Rhythmus der Stadt es so vorsieht. Die Hitze liegt schwer über dem Guaíba, und selbst der Wind, der sonst die Papiere der Marktstände durcheinanderwirbelt, scheint sich für eine Weile zu legen.
Der Taxifahrer – nennen wir ihn einen von vielen – parkt seinen gelben Chevrolet, Baujahr 2008, vor der Tür. Seine Frau hat den Tisch gedeckt: Reste vom Churrasco vom Sonntag, eine Schüssel mit farofa, der knusprigen Maniok-Mehl-Mischung. Doch zuerst kommt der Chimarrão. Immer zuerst der Mate. Die Cuia geht von Hand zu Hand, ohne dass ein Wort fällt. Die Yerba schmeckt bitterer als die argentinische Variante, und das erste Schlucken brennt im Hals – für die meisten Einheimischen der Beweis, dass sie echt ist. 60 Prozent der Bevölkerung Porto Alegres trinken Chimarrão täglich.
Im Parque Farroupilha, den die Einheimischen nur Redenção nennen, sitzen an diesem Freitag Dutzende auf den Bänken, die Thermoskannen in der Mitte, die Kalebassen im Kreis. Der Park ist der Ort, an dem sich die Stadt trifft, ohne besonderen Anlass. Hier wurde 1884 die Sklaverei in Porto Alegre offiziell abgeschafft – vielleicht kein Zufall, dass ausgerechnet hier die Menschen zusammenkommen, um einfach da zu sein.
Ein paar Straßen weiter, im Mercado Público Central, ist die Luft erfüllt von Geräuschen: das Klirren von Gläsern, das Murmeln der Händler, das gelegentliche Läuten einer Glocke. Bará ist hier begraben, und seine Anhänger hinterlassen Opfergaben – eine Flasche Cachaça, Münzen, Kerzen. Die Rituale sind so selbstverständlich wie das Feilschen um den Preis von getrockneten Feigen.
Der Taxifahrer isst sein Solo in Ruhe. Kein Radio, kein Telefon, kein Gedanke an die nächste Fahrt. Irgendwo in der Ferne hört man das Hupen eines Autos im Stau, aber hier, in diesem kleinen Haus am Rande des Zentrums, ist die Welt für eine Stunde in Ordnung. Es ist kein Protest, keine Demonstration. Es ist einfach der Freitag – der Tag, an dem die Arbeit für eine Weile warten darf.
Dieser Moment lässt sich schwer erklären. Er ist weder Faulheit noch Disziplin, weder Tradition noch Rebellion. Er ist einfach da, wie der Guaíba, der sich durch die Stadt schlängelt. Die Solo-Fahrer von Porto Alegre wissen: Die Pause ist kein Gegenteil von Arbeit, sondern ein Teil von ihr. Rituale geben dem Tag eine Form.
Als die Cuia zum letzten Mal gefüllt wird, ist es 14:45 Uhr. Die Sonne steht noch hoch am Himmel, und irgendwo hat jemand bereits wieder das Taxameter eingeschaltet. Aber für diesen einen Fahrer ist die Stunde noch nicht vorbei. Er lehnt sich zurück und denkt an nichts Bestimmtes. Die Stadt mag weiterlaufen. Er nicht.
Quellen
- Ohlalá: „La más criolla de Brasil”
- Journeying Jeff: „Ten Things I Enjoyed in Porto Alegre”
- Grão: „Die brasilianische Gastronomie”
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