Der letzte Alu-Kasten auf zwei Rädern

Das quietschende Pedal des Fahrrads und das Klappern der Metallboxen vermischen sich mit dem Geschrei der Straßenhändler, als der Duft von Kreuzkümmel und Butter in der Mittagshitze hängen bleibt. Ein Dabbawala lenkt sein rostiges Rad durch die engen Gassen von Dadar, den Alu-Kasten mit dem Dal Makhani fest auf dem Gepäckträger verzurrt. Seit 42 Jahren fährt er dieselbe Strecke, dieselben Kurven, dieselben Schienen der Straßenbahn, über die das Rad jedes Mal kurz holpert. Diese Woche ist sein letzter Einsatz.

Die Dabbawalas von Mumbai sind ein System, das sich seit dem späten 19. Jahrhundert hält – nicht durch Effizienz allein, sondern durch die Beharrlichkeit der Männer, die es tragen. Ihre Uniform ist unverkennbar: weiße Gandhi-Caps, Kurta-Pyjamas, und vor allem die mehrstöckigen dabbas, die mit Farbcodes und alphanumerischen Zeichen markiert sind. Jede Box trägt ihre eigene Geschichte: Zielort, Stockwerk, Rückweg. Einmal falsch abgelesen, und das Mittagessen landet im falschen Büro. Doch dieser Dabbawala hat in all den Jahren nur einmal eine Box verloren – und die fand sich am nächsten Tag von selbst wieder ein.

Sein Fahrrad ist ein Relikt. Während die meisten Kollegen längst auf Motorräder umgestiegen sind, bleibt er bei dem, was er kennt. Der Alu-Kasten, in dem das Dal Makhani nicht ausläuft, ist sein ständiger Begleiter. Das Gericht, ursprünglich aus dem Punjab, wird traditionell 24 Stunden lang zubereitet, bis die schwarzen Linsen die Butter und die Gewürze so aufgesogen haben, dass der Duft allein schon sättigt. Er weiß, dass die meisten seiner Kunden nicht auf die Uhr schauen, wenn er kommt. Sie wissen, dass er kommt. Punkt zwölf. Oder kurz danach, wenn die Straßenbahn wieder einmal den Weg blockiert.

Dadar ist der Knotenpunkt, an dem sich alles kreuzt. Hier, in den Navprabhat Chambers an der Ranade Road, hat die Mumbai Tiffin Box Suppliers Association seit 1962 ihren Hauptsitz. Hier werden die Boxen umgeschlagen, auf Züge verladen oder, wie in seinem Fall, auf ein Fahrrad geschnallt. Die Nutan Mumbai Tiffin Box Suppliers Charity Trust, gegründet 1956, organisiert nicht nur die Lieferungen, sondern auch dharamshalas – Pilgerherbergen für Arbeiter, die weit von zu Hause entfernt sind. Ein Netzwerk, das mehr ist als nur ein Lieferdienst.

Sein Abschied ist kein Ende, sondern ein Wechsel der Routine. Sein Fahrrad wird er behalten, sagt er. Vielleicht fährt er damit noch ein paar Runden durch Dadar, ohne den Alu-Kasten, ohne das Dal Makhani, ohne das Quietschen der Pedale, das die Mittagshitze durchschneidet. Aber die Strecke kennt er auch so. Jede Kurve, jede Schiene, jeden Riss im Asphalt.

Quellen


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