Die *Sopa de Habas* der Marktfrau Doña Rosa in Toluca, die sie nur an Tagen mit R serviert
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title: “Dienstags und freitags dampft sie auf: Sopa de Habas in Tolucas Mercado 16 de Septiembre” —
Der Duft von frisch gekochten Saubohnen vermischt sich mit dem Geruch von nassem Holz der Marktbuden. Es ist der erste Herbstregen in Toluca, und er fällt heute auf einen Dienstag. An Tagen wie diesem, an denen der Wochentag ein R trägt, steht auf vielen Ständen des Mercado 16 de Septiembre die Sopa de Habas auf dem Herd.
Die Stände hier sind klein: ein paar Holzbänke, ein Gasbrenner, dessen Flamme die Töpfe aus emailliertem Stahl erwärmt, und handgeschriebene Schilder, die heute nur ein einziges Gericht ankündigen. Die Suppe kommt ohne Fleisch aus – nicht aus Überzeugung, sondern weil es sich so gehört. In der Fastenzeit ist sie ein Standard, doch viele Verkäufer kochen sie das ganze Jahr über. Nur nicht jeden Tag.
Die Zutaten sind einfach: getrocknete Saubohnen, die über Nacht eingeweicht wurden, Zwiebeln, Tomaten, ein Bund Koriander, ein paar Scheiben Jalapeño für die Schärfe. Doch dann kommen die Nuancen. Eine Prise Safran, der die Suppe goldgelb färbt, eine Messerspitze Kreuzkümmel, und – ein typisches Geheimnis – eine Handvoll getrockneter Guajillo-Chiles, die in der Pfanne geröstet und zu Pulver gemahlen werden. Manchmal, wenn die Saison es hergibt, wirft man noch geschnittene Nopales dazu, die der Suppe eine leichte Säure geben. Die Bohnen müssen weich sein, aber nicht zerfallen. Die Konsistenz soll an eine dickflüssige Creme erinnern, nicht an Brei.
Der Regen prasselt auf das Wellblechdach des Marktes, und der Dampf der Suppe steigt in dicken Schwaden auf. Die ersten Kunden sind schon da: eine ältere Frau mit einem Korb voller Chilies, ein Bauarbeiter in verschmutzter Hose, der seine Pause einlegt, ein paar Studenten, die sich eine Schüssel teilen. Serviert wird die Suppe in tiefen, abgenutzten Schüsseln, dazu gibt es frische Tortillas und eine Scheibe Limette. Wer mag, streut noch geröstete Zwiebel oder Avocado darüber.
Es ist kein Zufall, dass die Suppe nur an Dienstagen und Freitagen angeboten wird. In Mexiko gibt es diese ungeschriebene Regel: Gerichte ohne Fleisch gehören an die Tage, deren Namen ein R enthalten – martes, viernes. Eine Tradition, die aus der Fastenzeit stammt, aber längst über den religiösen Kontext hinausgewachsen ist. Die Verkäufer halten sich daran, nicht aus Dogma, sondern weil es so immer war. Und die Kunden wissen es. An anderen Tagen fragt niemand nach der Sopa de Habas.
Ich persönlich finde, dass die Suppe an solchen Tagen am besten schmeckt. Vielleicht liegt es am Wetter, das die Aromen intensiver wirken lässt. Vielleicht auch daran, dass man sie nur an zwei Tagen in der Woche bekommt – und das Warten den Geschmack verstärkt.
Am Nachmittag, wenn der Regen nachlässt und die Sonne wieder durch die Wolken bricht, sind die Töpfe leer. Die letzten Kunden gehen, und die Verkäufer beginnen, ihre Stände aufzuräumen. Morgen wird die Suppe wieder da sein. Aber morgen gibt es keine Sopa de Habas.
Quellen
- Recetas Mexas: „Caldo de Habas“
- Toluca Cultural: „Come como rey en la fondita del Mercado 16“
- Central Municipal: „Mercado 16 de Septiembre de Toluca“
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