Der *Schatten des Laternenanzünders* in Kyoto, der um 17:42 Uhr die letzte Papierlaterne entzündet
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Der Mann, der den Abend anknipst
Der Geruch von verbranntem Papier und Zedernholz liegt in der Luft. Es ist der 17. Juli, der erste Höhepunkt des Gion Matsuri, und die Laternen von Kyoto leuchten bereits in der Dämmerung. Alle bis auf eine.
Ein Mann zündet die letzte Papierlaterne an. Sein Name ist nicht wichtig – wichtig ist nur sein Schatten, der sich über die Steinplatten von Gion zieht. Die Flamme zuckt, als der Abendwind durch die Gassen streicht. Die Werkstatt Okugawa Chōchin hat diese Laterne gefertigt, eine von 2.700 für das Festival. Tadashi Okugawa, der sie in der achten Generation leitet, weiß, dass jede Laterne aus Bambusringen und Washi-Papier besteht, verziert mit dem Yasaka-Jinja-Wappen oder dem Tomoe-Symbol. Aber das ist Handwerk. Was hier passiert, ist etwas anderes.
Der Mann bewegt sich ohne Eile. Seine Hände kennen den Weg, auch im Dunkeln. Die Laternen sind nicht nur Licht – sie sind eine Grenze. Vor ihnen liegt der Tag, hinter ihnen die Nacht, und für einen Moment, wenn die Flamme aufflammt, gehört die Straße niemandem. Nicht den Touristen, nicht den Geishas, nicht einmal den Göttern des Yasaka-Schreins. Nur dem Schatten, der sich jetzt langsam über den Boden schiebt.
Ehrlich gesagt bin ich überzeugt, dass dieser Moment ohne den Abendwind nicht dasselbe wäre. Ohne ihn wären die Laternen nur schöne Objekte. So aber werden sie zu etwas, das man nicht festhalten kann.
Quellen
- Sumikai: „2700 Laternen für das Gion Matsuri“
- NHK WORLD-JAPAN: „Ethereal Lanterns: Lighting the cityscape of the ancient capital“
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